Java-Orbit 2024

Datum: 18. November 2024
Autor*in: Tobias Pfannkuche


„Never underestimate the power of denial“

American Beauty, 1999

Im Laufe der Jahre verändert sich meist die eigene Flugbahn, vielfältige Erfahrungen und Erlebnisse sorgen dafür, dass man nicht nur als sicher geglaubte Komfortzonen verlässt (oder verlassen muss/darf/kann), sondern damit verbunden auch andere, neue Standpunkte einnimmt und oftmals eine gesunde – oder zumindest unvermeidliche – Distanz gewinnt, die andere unerwartete Perspektiven ermöglichen und eröffnen und einer gewissen Nüchtern- und Abgeklärtheit Platz machen, vor allem wenn viel Unruhe herrscht.


So hat mir auch der Rückblick auf die diesjährige W-JAX-Konferenz gezeigt, dass… ja, dass wir nicht jünger werden… und mir spukte während der zwei spannenden Tage ein älterer Blogbeitrag öfters durch den Kopf – was waren wir damals noch AI-jung und unerfahren!!

„It is happening again….“

Twin Peaks, Episode 14 „Lonely Souls“

Und es kam, wie es eigentlich immer kommt und kommen musste und zu erwarten war:
der Hype der vergangenen Jahre rund um AI lässt spürbar nach, die immer noch verhältnismässig junge Technologie hat den Einzug in den Alltag gerade auch in der Software-Entwicklung gefunden und steht nun vor der Herausforderung, sich zu bewähren. So wie davor zahlreiche andere technologische Entwicklungen und Veränderungen.

Außer Zweifel bleibt dabei natürlich die Bedeutung des Themas „Künstliche Intelligenz“ für unsere modernen Gesellschaften – wo die Reise hinführt, ist jedoch noch völlig offen. Doch auch dort lohnt es sich, die oben beschriebene Nüchternheit beizubehalten und nicht jedem Trend hinterherzulaufen um später festzustellen, dass überhastet agitiert wurde – wenngleich auch hier sich mit fortschreitendem Alter die Erkenntnis durchsetzt, dass mensch leider auch dazu tendiert, zuvor gemachte Fehler zu wiederholen und eben nicht daraus zu lernen.

„Terminator steh‘ auf einem Bein! Wow, ich habe meinen eigenen Terminator!“

John Connor, Terminator 2 – Tag der Abrechnung, 1991

Spätestens seit der Einführung von ChatGPT und damit GenAI wurde nun diese Technologie sehr direkt erleb- und greifbar, die leichtere und teilweise beinahe natürlich anmutende Interaktion mit KI-Modellen sowie deren Mächtigkeit waren die Voraussetzung für den bisherigen Erfolg.
Dieses Thema zog sich dann auch durch eine Mehrheit der Sessions auch auf der diesjährigen WJAX-Konferenz. Neben Vorträgen, die nochmal auf die Konzepte und Ideen eingingen, konnte in praxisnahen Hands-On-Sessions direkt ein Eindruck gewonnen werden, wie einfach die APIs oftmals aufgebaut sind. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um REST-APIs, so wie es mittlerweile ein verbreiteter Standard ist.


Jedoch täuscht diese vermeintliche Einfachheit in der Nutzung der Technologie darüber hinweg, dass es nach wie vor eine der größten Herausforderungen ist sinnvolle Einsatzbereiche zu identifizieren. Oftmals gibt es eine eher undifferenzierte Technologie-Zentriertheit und -Affinität („Wir müssen dringend was mit KI machen!“), die nicht nur viel finanzielle und zeitliche Mittel bindet ohne nennenswerte Ergebnisse, sondern auch zu Frustration und vielen Fragezeichen und Unsicherheit bei Anwendern führt.


Diese Probelamtik wurde im Vortrag „AI Ideation: Von der Kunst, eine gute AI/ML-Idee zu entwickeln“ adressiert – die Herausforderungen: ein gezieltes Vorgehen und ausgereifte Methoden entwicklen und anwenden, um Erfolgschancen zu erhöhen. Als Ansatz wurde dabei ein iterativer Prozess vorgeschlagen: zunächst die „Ideation“ zur guten Ideenfindung innerhalb wenige Tage, im Anschluss „Exploration“ für Prototyping (maximal 2 Wochen), und schlussendlich „Professionalization“ für nachhaltige längerfristige Entwicklung. Ganz klar wurde auf empfohlen, mit „low hanging fruits“ beginnen, auch wenn das oftmals langweilig ist.

In einem anderen Vortrag mit dem Titel „Dynamische Teams, Erfolgsfaktoren und Herausforderungen“ wurde auf Basis von verschiedensten Projekt-Erfahrungen nochmals auf die Bedeutung von Zwischenmenschliche Beziehungen als Erfolgsfaktor eingegangen unter der Frage: wie begegnet man der Komplexität und dem ständigen Wandel und der Unbeständigkeit? Mit Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Zwei spannende Akronyme kamen zur Sprache:

  • VUCA: volatile uncertain complex ambiguos
  • BANI: brittle anxious non-linera incomprehensible

Arbeiten Teams entlang dieser Begrifflichkeiten und beherzigen vor allem Realitäten und ständig wiederkehrende Unwägbarkeiten, so können sie tendenziell professioneller auf chaotische Situationen und sich ändernde Umstände reagieren. Transparenz als Herausforderung – oftmals werden wichtige Punkte nicht angesprochen, nicht zuletzt aufgrund starrer Strukturen. Damit die Voraussetzungen geschaffen sind, müssen Macht und Kontrolle aufgegeben werden.
Ein Verweis auf die Google „Aristoteles Studie“ mit der Fragestellung: „Was macht Teams erfolgreich?“ förderte dabei – auch wenig überraschend – zu Tage: Emotionale Sicherheit, Zuverlässigkeit, Struktur und Klarheit.


Psychologische Sicherheit als Erfolgsfaktor ist essentiell: offene Kommunikation, lernen und Innovation, Engagement und Zusammenarbeit bieten Sicherheit vor Vorurteilen und Repressalien, Fehlersanktionen und Statusbedrohungen. Erfolg kann sich nur einstellen, wenn man aus den Fehlern lernt, alle Innovation bleibt oberflächlich wenn nicht eine aktive Fehlerkultur etabliert wird. Vertrauen als Basis für Entscheidungsfreiheit, Transparente Kommunikation und Feedback-Kultur sind essentiell für erfolgreiche Teams. Welche Methode, welches Vorgehen gewählt wird, spielt keine Rolle – solange das zwischenmenschliche nicht funktioniert.

Somit bleibt mir eigentlich nur noch folgende Frage:

Wie gut sind wir darauf vorbereitet, uns in einer VUCA/BANI-Welt zu behaupten?

(Disclaimer: dieser Beitrag wurde nicht mithilfe von GenAI generiert, sondern mit verbliebenem Hirnschmalz in traditioneller Handarbeit erstellt.)


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